Delegiertenversammlung 2026: Ein Tag im Zeichen von Veränderung und Weitsicht
Wie stellen wir die Weichen für die Zukunft – als Pensionskasse, als Gemeinschaft und ganz persönlich? Mit grosser Freude durften wir an unserer Delegiertenversammlung vom 3. September 2026 insgesamt 97 Delegierte aus 70 Betrieben begrüssen. Gemeinsam richteten wir den Blick nach vorne: auf Stabilität und Weiterentwicklung, nachhaltiges Investieren und eine zeitgemässe Vorsorge. Und natürlich auf einen besonderen Meilenstein: die Gesamterneuerungswahlen des Stiftungsrats. Zum Abschluss öffnete Gastreferentin Prof. Dr. Anina Hille den Blick noch weiter – auf ein Leben, das künftig vielleicht 90, 100 oder noch mehr Jahre dauern kann.
Stabilität in bewegten Zeiten
Nach der Begrüssung durch Stiftungsratspräsidentin Jeannette Leuch übernahm Gerold Borrmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung, und blickte auf das Geschäftsjahr 2025 zurück. Nest ist weiter gewachsen: Ende 2025 vertrauten uns 4'444 Betriebe mit insgesamt 34'193 Versicherten ihre berufliche Vorsorge an. Das verwaltete Vermögen lag bei rund 4,7 Milliarden Franken, der Deckungsgrad bei 112,8 Prozent. Die Altersguthaben wurden mit 3 Prozent verzinst.
Doch Wachstum ist für Nest kein Selbstzweck. Es stärkt die Struktur der Stiftung und hilft gleichzeitig, die Fixkosten auf mehr Versicherte zu verteilen. Das zeigt sich konkret: Die Verwaltungskosten pro versicherte Person sind seit 2019 von 314 auf 269 Franken gesunken – und das bei deutlich mehr Versicherten und steigenden regulatorischen Anforderungen.
Auch die Reserven konnten weiter gestärkt werden. Damit schafft Nest zusätzliche Stabilität und Handlungsspielraum für die Zukunft. Gleichzeitig wurden in der Jahresrechnung die Grundlagen weiterentwickelt, unter anderem mit der Umstellung auf die aktuellen BVG-2025-Generationentafeln.
Der Blick auf die ersten Monate 2026 zeigte zudem: Nest ist gut ins laufende Jahr gestartet.
Ein emotionaler Abschied
Zahlen gehören zu einer Delegiertenversammlung. In Erinnerung bleiben aber oft die persönlichen Momente. Ein solcher war die Verabschiedung von Beatrice Zwicky. 16 Jahre lang engagierte sie sich im Stiftungsrat für Nest und prägte insbesondere unser Anlageuniversum und unseren Nachhaltigkeitsansatz entscheidend mit. Entsprechend emotional fiel der Abschied aus.
Ganz verabschieden müssen wir uns glücklicherweise nicht: Beatrice Zwicky bleibt Nest als Präsidentin der Anlagenkommission erhalten.
Auch David Wittwer wurde aus dem Stiftungsrat verabschiedet. Aufgrund eines Arbeitgeberwechsels konnte er nicht erneut kandidieren. Beiden gilt ein herzliches Dankeschön für ihren Einsatz.
Mehr Flexibilität in der Vorsorge
Wie lässt sich berufliche Vorsorge stärker an unterschiedliche Lebenssituationen anpassen? Sabrina Wicki, Leiterin Vorsorge und Mitglied der Geschäftsleitung, stellte dazu die wichtigsten Änderungen des Vorsorgereglements vor, die per 1. Januar 2027 in Kraft treten sollen.
Im Zentrum stehen mehr Selbstbestimmung und Flexibilität. So wird beispielsweise eine Begünstigtenordnung für das Todesfallkapital eingeführt. Vorsorgepläne können künftig monatlich statt quartalsweise angepasst werden, die bisherige Mindestlimite von 5'000 Franken für persönliche Einkäufe entfällt und auch Teilpensionierungen werden flexibler. Zudem werden die Möglichkeiten für eine Überbrückungsrente klarer geregelt.
Die Delegierten konnten sich im Rahmen einer Konsultativabstimmung zu den Anpassungen äussern und waren gleichzeitig eingeladen, eigene Wünsche und Verbesserungsvorschläge einzubringen.
Nachhaltigkeit mit Wirkung
Anschliessend richtete sich der Blick auf die Anlagen. Marc Novara zeigte auf, wie die strategische Vermögensallokation überprüft und angepasst wurde. Dabei geht es nicht nur um ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis, sondern ebenso darum, den positiven Impact der Anlagen weiter zu verstärken. Unter anderem erhalten nachhaltige Hypotheken und Infrastrukturinvestitionen mit Wirkung künftig mehr Gewicht.
Sasha Cisar machte danach greifbar, was Nachhaltigkeit bei Nest im Anlagealltag bedeutet: sorgfältig auswählen, unerwünschte Aktivitäten ausschliessen, bessere Lösungen bevorzugen und als aktive Eigentümerin über Stimmrechtsausübung und Engagement Einfluss nehmen.
Das Ziel bleibt ambitioniert: Nest will ihre Position an der Spitze nachhaltiger Vorsorge nicht nur halten, sondern den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.
Während einer kurzen, spannungsaufbauenden Blau-Bild Pause nutzte Jeannette Leuch die Gelegenheit, einige Einblicke in den Ablauf der diesjährigen Stiftungsratswahlen zu geben – und leitete damit zu einem der zentralen Traktanden des Tages über: der Stiftungsratswahl.
Der neue Stiftungsrat wurde gewählt!
Denn die Gesamterneuerungswahlen waren dieses Jahr in mehrfacher Hinsicht besonders. Nachdem die Delegiertenversammlung 2025 die Voraussetzungen dafür geschaffen hatte, konnte erstmals elektronisch gewählt werden.
Hinter dem Wahltag selbst stand ein langer Prozess: von der Anpassung der Geschäftsordnung über die Auswahl und Prüfung eines revisionssicheren Wahlsystems und die Ausschreibung bis zur Prüfung der Kandidaturen durch das Wahlbüro. Im Juli wurden die Wahlunterlagen verschickt, und bis am Nachmittag des 3. September konnte elektronisch abgestimmt werden. Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Wahlbeteiligung lag um ein Mehrfaches höher als bei der letzten Wahl. Das Ziel, mit der elektronischen Abstimmung mehr Menschen zur Teilnahme zu bewegen, wurde damit deutlich übertroffen.
Schliesslich war es so weit: Der neue Stiftungsrat wurde bekanntgegeben und gemeinsam auf der Bühne begrüsst. Ein besonderer Moment – schliesslich trägt dieses Gremium die Gesamtverantwortung für die Stiftung und entscheidet über zentrale Fragen von der langfristigen finanziellen Stabilität über die Vorsorgereglemente bis zur Anlagestrategie. Damit die Mitglieder dieser Verantwortung gerecht werden können, setzt Nest auf ein strukturiertes Aus- und Weiterbildungskonzept. Neue Mitglieder absolvieren eine obligatorische Erstausbildung; danach folgen Vertiefung, regelmässige Weiterbildung und Selbststudium.
Kandidierende (bisher amtierend)
Vertretung der Arbeitgeberschaft: Jeannette Leuch, Jacqueline Seiler und Raphael Wildi
Vertretung der Arbeitnehmerschaft: Susanna Petrone, Dina Raewel und Jacqueline Henn
Kandidierende (neu)
Vertretung der Arbeitgeberschaft: Dominic Illi, Simon Meyer und Ulrich Walt
Vertretung der Arbeitnehmerschaft: Lukas Bühler und Tim Rutishauser
Alle bisherigen Stiftungsratsmitglieder, die erneut kandidiert hatten, wurden in ihrem Amt bestätigt. Neu in den Stiftungsrat gewählt wurden Dominic Illi, Co-Geschäftsleiter der Spitex Stadt Luzern, (Vertretung Arbeitgeberschaft) und Lukas Bühler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace (Vertretung Arbeitnehmerschaft). Sie ergänzen das Gremium mit neuen Perspektiven und Erfahrungen.
Wir gratulieren allen Gewählten herzlich und wünschen ihnen für die neue Amtszeit viel Erfolg und Freude an ihrer verantwortungsvollen Aufgabe.
Wer möchte 100 Jahre alt werden?
Nach so viel Vorsorge und Zukunftsplanung hätte der Gastvortrag kaum besser zum Tag passen können.
Prof. Dr. Anina Hille von der Hochschule Luzern eröffnete ihr Referat über «Longevity» mit einem ungewöhnlichen Wesen: der sogenannten unsterblichen Qualle, die ihren Lebenszyklus unter bestimmten Bedingungen gewissermassen zurückdrehen kann. Ein Traum für manche Menschen?
Die Frage ging direkt ans Publikum: Wer möchte mindestens 100 Jahre alt werden? Die bereitgelegten Generationenkarten gingen in die Höhe – besonders häufig bei der Generation X.
Doch hinter der spielerischen Einstiegsfrage steckt eine Entwicklung mit weitreichenden Folgen. Wir leben länger, gleichzeitig sinken die Geburtenraten und der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung steigt. Die Schweiz gehört dabei weltweit zu den Ländern mit besonders hoher – und auch besonders hoher gesunder – Lebenserwartung.
Das verändert nicht nur unsere Vorstellung vom Ruhestand. Als die AHV 1948 eingeführt wurde, konnten 65-Jährige noch mit durchschnittlich rund 12 bis 14 weiteren Lebensjahren rechnen. Heute sind es mehr als 20 Jahre. Der Ruhestand ist damit längst zu einer eigenen, langen Lebensphase geworden.
Gesundheit, Erwerbsfähigkeit und finanzielle Resilienz
Was braucht es also für ein langes Leben?
Anina Hille verdichtete die Antwort auf drei miteinander verbundene Pfeiler: Gesundheit, Erwerbsfähigkeit und finanzielle Resilienz.
Bei der Gesundheit lautet eine zentrale Botschaft: Prävention muss nicht kompliziert sein. Bewegung und Kraft erhalten, ausgewogen essen, ausreichend schlafen und sich erholen, soziale Beziehungen pflegen und Sinnhaftigkeit erleben – vieles, was ein gesundes Altern unterstützt, lässt sich in den Alltag integrieren.
Auch unsere Erwerbsbiografien dürften sich verändern. Das klassische Modell «Ausbildung – Arbeit – Ruhestand» passt immer weniger zu einem Leben von 90 oder 100 Jahren. Lernen, Arbeiten, Care-Arbeit und Freizeit könnten sich künftig stärker durchmischen. Damit Menschen länger erwerbsfähig bleiben können, braucht es Weiterbildung, flexible Arbeitsmodelle, gute Arbeitsbedingungen und Wertschätzung.
Und schliesslich stellt sich die finanzielle Frage: Wie finanzieren wir ein längeres Leben? Wer deutlich länger im Ruhestand lebt als erwartet, braucht auch länger finanzielle Mittel. Das betrifft die Vorsorgesysteme genauso wie die persönliche Planung.
Die Botschaft des Referats war deshalb weniger «Wir müssen alle 100 Jahre alt werden» als vielmehr: Wir sollten damit rechnen, dass unser Leben länger dauern könnte – und rechtzeitig darüber nachdenken, was das für unsere Gesundheit, unsere Arbeit und unsere Vorsorge bedeutet.
Veränderung mitdenken
Damit schloss sich am Ende des Tages ein schöner Kreis.
Zu Beginn der Delegiertenversammlung stand die Stabilität von Nest im Mittelpunkt. Im Gastreferat tauchte ausgerechnet dieses Motiv wieder auf. Anina Hille griff dazu einen Gedanken aus unserem Geschäftsbericht 2025 auf: Selbst Systeme, die stabil wirken, sind nicht unveränderlich.
Vielleicht beschreibt das auch unsere Delegiertenversammlung 2026 ganz gut. Stabilität bedeutet nicht Stillstand. Sie entsteht vielmehr dann, wenn wir Veränderungen früh erkennen und verantwortungsvoll gestalten – mit einer soliden finanziellen Basis, einer Vorsorge, die unterschiedliche Lebenswege berücksichtigt, nachhaltigen Anlagen mit Wirkung und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Herzlichen Dank an alle Delegierten, Referierenden, Kandidierenden und Gäste für den engagierten Austausch und eine Delegiertenversammlung, die uns noch eine Weile in Erinnerung bleiben wird.