Prävention statt Reaktion

22. Juni 2026, Zürich  Die diesjährige Fachtagung für Arbeitgebende der Nest Sammelstiftung in Zusammenarbeit mit der PKRück stand ganz im Zeichen der Arbeitsfähigkeit, psychischen Gesundheit und des Generationenmanagements. Rund um die Frage, wie Betriebe ihre Mitarbeitenden gesund erhalten und Invaliditätsfälle möglichst verhindern können, präsentierten Fachpersonen aktuelle Daten, Erkenntnisse und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Im Anschluss nahm die Psychologin Ronia Schiftan die Teilnehmenden mit auf eine Reise durch unterschiedliche Generationenbilder, Werte und Belastungen.

In seiner Begrüssung an der Fachtagung «Generation Z: Brücken schaffen, Gesundheit erhalten» betonte Gerold Borrmann, Geschäftsführer der Nest Sammelstiftung, die Bedeutung präventiver Massnahmen. Ziel sei es, Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern Werkzeuge an die Hand zu geben, um Arbeitsunfähigkeiten frühzeitig zu erkennen und Invaliditätsfälle möglichst zu verhindern. Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Auswirkungen, sondern vor allem um die Menschen hinter den Zahlen. Die Nest Sammelstiftung investiert deshalb gemeinsam mit der PKRück gezielt in Präventionsangebote wie Seminare, Beratungsleistungen und Case Management.

 

Psychische Erkrankungen prägen das Invaliditätsgeschehen


Andreas Heimer, COO der PKRück, zeigte anhand aktueller Daten die Entwicklungen bei Arbeitsunfähigkeit und Invalidität auf. Die öffentliche Diskussion über Invalidität habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen – zurecht, denn die Zahlen seien besorgniserregend.

Besonders auffällig ist die Entwicklung psychischer Erkrankungen. Während im Jahr 2020 bereits 51 Prozent aller IV-Neurenten auf psychische Erkrankungen zurückzuführen waren, liegt dieser Anteil 2025 bereits bei 54 Prozent. Insgesamt wurden 2025 rund 25'000 neue IV-Renten gesprochen – mehr Menschen, als beispielsweise in der Stadt Aarau wohnen.

Bei der PKRück zeigt sich ein etwas anderes Bild: Hier sind 36 Prozent der Invaliditätsfälle auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Dies deutet darauf hin, dass frühzeitige Interventionen und Begleitmassnahmen Wirkung zeigen können. Tatsächlich werden bei der Nest Sammelstiftung erkrankte Personen frühzeitig begleitet. Nur 29 Prozent der betreuten Personen wurden später tatsächlich als IV-Fälle angemeldet.


Frauen mittleren Alters besonders betroffen


Die Analyse des Versichertenbestands der Nest Sammelstiftung zeigt ein durchschnittliches Alter von 42 Jahren und einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil. Viele Versicherte arbeiten in Branchen wie Gesundheitswesen, Sozialarbeit, Bildung oder Non-Profit-Organisationen – Tätigkeitsfelder, die mit hohen sozialen und emotionalen Belastungen verbunden sind.

Besonders auffällig ist die erhöhte Arbeitsunfähigkeitsquote bei Frauen zwischen 35 und 44 Jahren. Diese Lebensphase ist häufig geprägt von mehrfachen Belastungen durch Beruf, Kinderbetreuung und die Unterstützung von Angehörigen. Gleichzeitig übernehmen viele Frauen in diesem Alter Fach- oder Führungsverantwortung. Die Daten zeigen, dass Frauen dieser Altersgruppe häufiger aufgrund von Stress-, Angst- und Depressionserkrankungen ausfallen.

 

Früherkennung erhöht die Wiedereingliederungschancen


Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die Bedeutung früher Meldungen bei Arbeitsunfähigkeit. Die Daten der PKRück zeigen deutlich: Je früher ein Fall gemeldet wird, desto höher sind die Chancen auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung. Bei einer Meldung innerhalb von 1,5 Monaten liegt die Eingliederungsquote bei 94 Prozent. Nach sechs bis zwölf Monaten sinkt sie bereits auf 20 Prozent. Nach mehr als einem Jahr beträgt sie nur noch drei Prozent. Die Botschaft von Andreas Heimer war daher eindeutig: «Melden, melden, melden».

Zur Unterstützung stehen den angeschlossenen Betrieben verschiedene Angebote zur Verfügung. Neben dem Case Management werden auch Base-Management-Angebote wie Job Coaching für langzeitarbeitslose oder ältere Mitarbeitende angeboten. In den letzten fünf Jahren wurden insgesamt 407 Case-Management-Fälle begleitet, aktuell sind noch 69 Fälle offen.


Generation Z im Fokus


Besonders eindrücklich waren die Zahlen zur jüngsten Erwerbsgeneration. Gemäss IV-Statistik werden heute knapp drei von vier IV-Neurenten bei den 18- bis 29-Jährigen aufgrund psychischer Erkrankungen gesprochen. Gleichzeitig ist die Anzahl der Neurenten in dieser Altersgruppe innerhalb von fünf Jahren um 44 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung war Ausgangspunkt für das Gastreferat der Gesundheitspsychologin Ronia Schiftan.


Generationen verstehen statt bewerten


Ronia Schiftan nahm die Teilnehmenden mit auf eine Reise durch unterschiedliche Generationenbilder, Werte und Belastungen.

Zu Beginn stellte sie die Frage: Wann fühlen wir uns eigentlich überfordert? Ihre Definition von Stress lautete: «Stress bedeutet, dass mehr Ansprüche an mich gestellt werden, als ich im Moment als Ressourcen zur Verfügung habe.»

Anhand des Bildes eines Smartphones mit nur noch 20 Prozent Akkuladung verdeutlichte sie, wie wichtig es ist, Warnsignale rechtzeitig wahrzunehmen. Ungeduld, Schlafprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden seien oft erste Hinweise auf eine Überlastung. Problematisch sei, dass viele Menschen im Arbeitsalltag noch lange leistungsfähig erscheinen, während sich die eigentliche Erschöpfung häufig erst im privaten Umfeld zeigt.

Schiftan erklärte zudem, dass unser Stresssystem biologisch noch immer gleich funktioniere wie zu Zeiten des Säbelzahntigers. Während früher körperliche Aktivität zur Entspannung nach einer Stresssituation führte, seien heutige Belastungen überwiegend kognitiv. Dadurch fehle dem Körper häufig die Möglichkeit zur vollständigen Regeneration.


Der individuelle Rucksack


Ein zentrales Bild ihres Referats war der «individuelle Rucksack». Jeder Mensch bringe unterschiedliche Erfahrungen, Werte, Prägungen und Belastungen mit. Niemand könne wirklich wissen, was ein anderer Mensch erlebt habe oder aktuell mit sich trage.

Diese Erkenntnis sei insbesondere für Führungskräfte wichtig. Häufig würden Menschen aufgrund ihres Verhaltens vorschnell beurteilt, ohne die dahinterliegenden Erfahrungen zu kennen. Vertrauen, echtes Interesse und Zuhören seien deshalb zentrale Voraussetzungen für eine gesunde Unternehmenskultur.

Auch die unterschiedlichen Generationen seien vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Prägung zu verstehen. Während ältere Generationen mit Werten wie Disziplin, Pflichtbewusstsein und Stabilität aufgewachsen seien, hätten Millennials die Botschaft erhalten, alles erreichen zu können. Die Generation Z wiederum wachse in einer Welt permanenter Veränderungen, globaler Krisen und digitaler Dauerverfügbarkeit auf.


Psychische Belastung junger Menschen nimmt zu


Aktuelle Studien zeigen, dass sich insbesondere die psychische Gesundheit junger Menschen verschlechtert hat. Der Job-Stress-Index weist aus, dass 42 Prozent der 16- bis 24-Jährigen im kritischen Belastungsbereich liegen. Besonders betroffen sind junge Frauen. Gründe dafür sind unter anderem Leistungsdruck, soziale Medien, Rollenbilder, Zukunftsängste sowie die Auswirkungen von Pandemie, Klimakrise und geopolitischen Konflikten.

Schiftan betonte jedoch, dass es keine einzelne Ursache gebe. Vielmehr handle es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Belastungsfaktoren.


Handlungsempfehlungen für Arbeitgebende


Zum Abschluss wurden konkrete Handlungsfelder für Unternehmen diskutiert. Dazu gehören:

  • Förderung einer offenen Vertrauenskultur
  • Frühe Wahrnehmung und Ansprache von Warnsignalen
  • Investitionen in betriebliches Gesundheitsmanagement
  • Führungsausbildungen und Generationenmanagement
  • Frühzeitige Meldung von Arbeitsunfähigkeiten
  • Stärkung individueller Ressourcen statt ausschliesslicher Leistungsorientierung

 

«Nest nimmt im Vergleich zu vielen anderen Vorsorgeeinrichtungen eine Vorreiterrolle. Die meisten Pensionskassen werden erst nach einem IV-Entscheid aktiv. Nest investiert jedoch frühzeitig in Prävention und Begleitung. Und das zahlt sich für alle aus!», betonte Andreas Heimer. Dieser präventive Weitblick ist nicht nur die Fürsorgepflicht von Arbeitgebenden, sondern ist auch wirtschaftlich sinnvoll: Die Kosten von Produktionsausfällen übersteigen häufig jene präventiver Massnahmen deutlich.


Fazit


Die Fachtagung machte deutlich, dass die Herausforderungen rund um psychische Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Invalidität weiter zunehmen. Gleichzeitig zeigte sie aber auch, dass Unternehmen Handlungsspielräume haben. Frühzeitige Unterstützung, eine vertrauensvolle Unternehmenskultur und generationengerechte Führung können wesentlich dazu beitragen, Arbeitsunfähigkeiten zu reduzieren und die Gesundheit der Mitarbeitenden langfristig zu stärken.

Die zentrale Botschaft des Tages lautete daher: Prävention beginnt lange vor einer Erkrankung – und sie lohnt sich für Mitarbeitende, Teams und Unternehmen gleichermassen.

 

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Veranstaltungen

Fachseminare Betriebliches Gesundheitsmanagement 2026: Für Präventionskunden der PKRück- und Nest ist die Teilnahme kostenlos.

RiskTracker Webinare 2026: Spannend für alle bei Nest und der PKG versicherten (HR-) Fachpersonen.

Vorsorgeausweis einfach erklärt: Ein Angebot für alle, die bei Nest versichert sind und wissen wollen, was die Angaben im Vorsorgeausweis genau bedeuten – verständlich und praxisnah.

Vorbereitung auf die Pensionierung: In diesem Seminar erhalten Menschen ab 58 einen Überblick über die wichtigsten Themen rund um die Vorbereitung auf die Pensionierung.